Schematherapie

Schematherapie ist eine innovative Form der Psychotherapie, in der Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie, Gestalttherapie und Tiefenpsychologie in sehr systematischer und klarer Weise verbunden werden. Das bedeutet, dass mit einem schematherapeutischen Vorgehen zunächst versucht wird, Ihre Probleme auf allen Ebenen (Gefühle, aktuelles Verhalten bzw. Verhaltensprobleme, lebensgeschicht-
liche Entstehung der Probleme) zu verstehen; im Anschluss werden ebenfalls ver-
schiedenste Ebenen des Erlebens und Handelns gezielt aktiviert (Gefühle, Gedan-
ken, Handeln, biografisches Gedächtnis), um Veränderungen in die gewünschte Richtung zu unterstützen. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf die Klärung und konstruktive Lösung innerer Konflikte gelegt.

 

Die meisten Menschen folgen in ihrem Leben bestimmten Handlungsmustern, die in früher Kindheit angelegt wurden. Solche „Schemata“ oder „Lebensfallen“ be-
einflussen unsere Gefühle, unser Selbstbild, und dadurch auch Beziehungen und Lebensentscheidungen ganz entscheidend. Dr. Jeffrey Young, der die Schema-
therapie in erheblichen Maß entwickelt hat, geht davon aus, dass praktisch jeder Mensch einen Bezug zu einer oder mehreren dieser 18 Lebensfallen hat.

 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die durch ein Schema ausgelösten negativen Emotionen zu bewältigen. Man kann sich in sein Schema fügen, indem man sich zeit seines Lebens so verhält, als sei das Schema wahr. Dies ist z.B. gegeben, wenn Menschen mit Missbrauchserfahrungen immer wieder Beziehungen mit Personen eingehen, die sie erneut missbrauchen (Bewältigungsstil Sich-Fügen).

Man kann eine Auslösung seiner Schemata jedoch auch versuchen zu vermeiden, bspw. indem man damit zusammenhängende Situationen meidet. Dies ist etwa häufig der Fall bei sehr ängstlichen oder schüchternen Menschen, die vor sozialen Situationen oder beruflichen Herausforderungen zurückschrecken. Vermeidung von Emotionen oder nahen Beziehungen ist oft auch ein unbewusstes Motiv von Men-
schen, die sich gewohnheitsmäßig mit Alkohol betäuben, oder rund um die Uhr wie ein Hamster im Rad aktiv sind, und dadurch wenig Gefühle erleben (Bewälti-
gungsstil Vermeidung
).

Schließlich kann man sich auch so verhalten, als sei das Gegenteil des Schemas wahr. Dies ist etwa der Fall bei Menschen, die sich innerlich hilflos oder minder-
wertig fühlen, gegenüber Anderen jedoch betont selbstsicher oder gar aggressiv auftreten (Bewältigungsstil Überkompensation).

 

Anhand des Selbsthilfebuches von Young können Sie mehr über Ihre Schemata erfahren und Wege lernen, sie zu verändern. Zur Unterstützung oder in hartnäcki-
gen Fällen kann therapeutische Hilfe sinnvoll sein. Dies ist z.B. der Fall, wenn sie das Gefühl haben, immer wieder gegen ihren Willen in Beziehungskonstellationen zu geraten, die sie schon lange abstellen wollten. Dies gilt insbesondere dann, wenn Lebensmuster zu handfesten Probleme wie Erfolglosigkeit oder Chaos im Beruf oder in Beziehungen führen, oder gar psychische Symptome auslösen, wie z.B. Ängste, Depressionen, Alkoholmissbrauch oder aggressives Verhalten.